Erinnerungen - 1. April

 

 

 

 

1. April 

Ich bin in so einem kleinen Dorf (Varlosen) in Südniedersachsen aufgewachsen. Knapp 400 Einwohner. Wir hatten zu jener Zeit, als ich so 5 Jahre alt war noch einen SPAR Kaufmannsladen, der unter anderem auch Harken, Hacken, Schaufeln, Spaten, Heugabeln, Leitern, Stacheldraht, Dünger, etc. führte. Ich könnte heute noch sagen, wo alles stand so bewusst hat sich das für mich eingeprägt. Dieser Markt lag in der Hinterdorfstr. Das Pfarrhaus die Kirche und der Bäcker befanden sich in der Mitteldorfstraße. Ja, einen Bäcker hatten wir auch noch, mmmh dieses Brot, die Brötchen und die Streuselecken, Mohnschnecken und Amerikaner.

An Kuchen kann ich mich nicht erinnern, auch nicht an Torten, die buk ja jeder selbst. Auf dem Tresen standen so große Gläser mit Deckel und wenn mein Ur-Opa in Spendierlaune war, dann bekam ich eine schöne Schokoladenwaffel oder eine von den langen mit nur Schokoladenenden. Oder einen "Negerkuss". Wenn Familienfeste oder Weihnachten anstand, brachten die Frauen die großen Kuchenbleche mit den diversen Blechkuchenvarianten oder Honigkuchen zum Bäcker, um diese gegen einen Obolus in dessen Backofen abzubacken. Wir Kinder bekamen lediglich den Rand zum Naschen, bevor dieser angeschnitten wurden.

Dann hatten wir noch eine Gaststätte, ja so hieß das mal. Der Name dieser: Zum braunem Hirsch. Von dieser Ausführung des braunen Hirschen, gab es im Umfeld von etwa 25 km mindestens 13 die den gleichen Namen trugen. Dann hatten wir noch im Winkel das war eine kleine Straße den Schäfer der mit seiner Schafherde durch die Gemarkung zog. Den Tischler, der unter anderen auch für die Särge der Gemeinden zuständig war. Es sei denn, man ging in die nächste Kleinstadt.

ABER, da konnte man nie sicher sein, ob der nicht betrügt. Nein, solche Sachen bestellte, man im Dorf, da wusste man mit wem man es zu tun hatte. Es gab eine Post, in dem Haus, wo einst der "lange Christoffel" (der Gedenkstein für Christoffel Münster 1632 -1676 steht auf dem alten Thieplatz. dieser war mit 2,48 m der größte Sohn Varlosens. Er wurde vom Herzog Christian Ludwig von Hannover zu seinem Leibwächter ernannt. Das Wappen des Ortes zeigt den langen Christoffel.) der Gänsehirt gewohnt hatte.

Auf dem Dach des Sparmarktes war der Feuermelder des Dorfes, für mich sah er aus wie ein Pilz. Der damalige Bürgermeister war der Chef des Supermarktes. Dieser hatte nebenbei auch noch eine kleine Landwirtschaft und war Jagdpächter vom Hohen Hagen.
In der Königsallee... oh, ja die hatten wir auch, das erste Haus war ein der Betrieb eines Stellmachers und daneben war der Dorfschmied König. Und wir wohnten, d.h. mein Elternhaus steht ja noch, in der Bührener Straße, an deren Ende eben auch die Dorfschule und das Schulhaus sich befanden. (Heute Dorfgemeinschaftshaus und Feuerwehrhaus)

Mein Opa, Väterlichseits, war aus dem 1. Weltkrieg mit offenen Beinen zurückgekommen. Die sind nie verheilt. Er hat es mit bewunderst würdiger Fassung getragen, hatte seine schlechten Tage an denen er nicht laufen konnte und andere, an denen er mit Fuchs, unserem Hannoveraner mit dem Wagen unterwegs war. Er war ein guter, geduldiger Aufpasser für meine Schwester und mich.

1. April - Opa machte es spannend, Christa, du musst mal dringend zum SPAR, ich brauche dringend heute noch den Stecknadelsamen. Hier hast Du 50 Pfennig. Aber denk dran, ich brauche ihn ganz dringend. Wie gesagt, ich war 5 Jahre. Ich musste durch das ganze Dorf um dorthin zu gelangen. Ich trabte also los. Das Geld in der Schürzentasche fest mit der Faust umklammert, damit ich es nicht verliere.

Im Laden war einiges los. Ich konnte ja noch nicht lesen und so hing ich zu Ellen der Tochter des Inhabers und fragte. Stecknadelamen, fragte diese ungläubig zurück. Ich nickte und bestätigte, Opa braucht ihn ganz dringend. Frau Preuß schaute mich an und sagte: Tut mir leid Christa, ich habe gerade vor einer halben Stunde die letzte Tüte verkauft, wir bekommen ihn erst in zwei Wochen wieder. Fassungslos schaute ich sie an, stampfte dann mit dem Fuß wütend auf und sagte: Opa braucht ihn heute, nicht in zwei Wochen. Weinend verließ ich das Geschäft, setzte mich irgendwo auf eine Gartenmauer und traute mich nicht mehr nach Hause. Zuhause hingegen, begannen sie sich langsam Sorgen zu machen, das ich nicht aufzufinden war.

Sie schwirrten aus, suchten das Dorf nach mir ab, Oma fand mich schließlich, schniefend, weinend. Fragte dann was los sei. Ich ganz kleinlaut. Bei SPAR haben sie den Stecknadelsamen nicht den Opa dringend braucht. Den kriegen sie erst in zwei Wochen wieder. Na, na dann wird der Opa eben warten müssen sagte sie und komm auf den Schrecken hin, gehen wir noch zum Bäcker und du bekommt ein schöne Waffel. Schnief. Und noch eins hinterher. Schnief. Wieder zurück, fauchte Oma den Opa an, du und deine dummen Scherze, sie hat sich nicht wieder nach Hause getraut. Ich war Opa wochenlang böse.

Zwei Jahre später war meine Schwester sein Opfer. Sie hatte den Apfelkorb mit Heu ausgelegt und ein Gips Ei (wurde in die Hühnernester gelegt, um die Hühner zum Eierlegen zu animieren - wir hatten Nester in der ganzen Scheune verstreut und damit die Hühner nicht in der Presse brüteten, oder an Plätzen die wir nicht kannten, wurde eben dieser kleine Trick angewandt) reingelegt und sich dann darauf gesetzt und gackerte fröhlich darauf los. Opa dann: das hört sich gut an. Dann musste Thea zwischendurch mal auf die Toilette und verschwand, inzwischen hatte Opa zu dem Gips Ei ein echtes Hühnerei gesetzt.

Thea kam wieder und setzte sich wieder auf den Korb. Gackerte weiter. Mein Vater dann, wenn es tatsächlich klappt das Thea Eierlegen kann, können wir ja in Zukunft auf die Hühner verzichten. Opa: gackern allein reicht nicht, du musst auch drücken. Nach einer weiteren Stunde erhob sich meine Schwester, drehte sich um und siehe, da es war passiert zwei Eier. Sprachlos zeigte sie es unseren Vater und der zu seiner Mutter und unserer Mutter...wir schaffen die Hühner ab. Thea erledigt das jetzt.

Opa meinte dann zu Thea: nicht mehr spielen und so, immer schön nach dem Essen wieder auf den Korb setzen und weiterlegen. Das Gebrüll...nein will ich nicht, die Hühner sollen das machen, ich wollte, schnief, schnief das doch nur mal ausprobieren

 

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