Erinnerungen - Liebeskummer - und dann kam Alexander*

Liebeskummer - und dann kam Alexander

Nach unserem Elsass Urlaub, den wir im umgebauten VW Bus und einem Vorzelt von Mats*, genossen war die Welt augenscheinlich noch in Ordnung. Es war ein schöner Urlaub. ich hatte zuvor noch nie Campingurlaub gemacht und genoss diese Zeit sehr. Über Bad Bergzabern ging es rein und unten bei Straßburg /Freiburg wieder raus. Wir hatten so einiges an typischen Leckereien mitgebracht, um das dann mit Mats*und Conny* als Dankeschön für den Wagen, zu verköstigen. Das wollten wir dann am Samstag machen. Also auf nach Kennzeichen: Alf.

Es war nett und ausgelassen, von der Stimmung her. Irgendwann musste jemand noch Wein aus dem Wagen holen und ich entschied mich dieses zu übernehmen. Also die ganzen Treppen runter, denn die beiden wohnten unter dem Dach, juchhe.
Lukas* Golf stand so ein bisschen abschüssig, ich öffnete den Kofferraum und holte den Wein heraus, schloss ihn wieder und rutschte aus mit dem Fuß, knickte um. der Wein blieb heil, ich hingegen konnte nicht mehr aufstehen. Und ja, auch nicht herumschreien. Zufällig kam Julian*, ein weiterer Freund noch vorbei, der mir dann Stützhilfe anbot und so kamen wir zu zweit oben wieder in der Wohnung an. Bestürzung bei den anderen.

Kühlendes Eis auf den Fuß, der mittlerweise stark geschwollen war. Wir schliefen alle dort vor Ort. Am nächsten Morgen fuhr Lukas* mich erst ins Göttinger Krankenhaus, wo ich eingegipst wurde. Anschließend in meine Bovender Wohnung, um ein paar Sachen zusammen zupacken, Krankmeldung für den Arbeitgeber in den Briefkasten werfen und dann bei meinen Eltern abliefern, da Liegegips. Danach startete er wieder retour nach Berlin.

Lustig war es bei meinen Eltern nicht. Dauernd musste ich mir solche Sprüche anhören wie: Oh, unser Prinzesschen lässt sich mal wieder bedienen etc. Nach einer Woche hatte ich die Nase voll, bestellte mir ein Taxi und ließ mich wieder in meine Wohnung, ebenfalls unter dem Dach, juchhe bringen. Allerdings wenn man von einem 1 Familienhaus ausgeht war des dann die 2 Etage. Also Parterre, 1. Etage die hatte immer ein Rechtsanwalt komischerweise.

Damals war es Sascha* und seine Frau Monique*.  Parterre war in zwei Mietwohnungen unterteilt, eine ältere Dame und eine junge Frau, die ich aber merkwürdigerweise nie näher kennengelernt habe. Im Keller war auch vermietet. Dort wohnte Holger Garbode mit Frau, der Holger Garbode der einst mit Dieter Bohlen das Duo Monza bildete https://www.youtube.com/watch?v=SpJczcyrgdA
später machte er noch eine eigene Platte unter dem Namen Andreas Cramer
https://www.youtube.com/watch?v=M0isAcUL7jc
das hatte er mir damals sogar aufgenommen auf Kassette, ist aber bei den Umzügen abhanden gekommen.

Das Dach teilten sich Peter Hahn**, damals Jurastudent ( mittlerweise verstorben) mit einem zwei Zimmer Apartment und ich mit einem, ein Zimmer Apartment. Ich war also wieder zu Hause. Peter kaufte für mich mit ein, kochte auch mal, spielte mit mir Schach, auch Sascha* und Monique* sprangen ein. Auch ein Arrangement mit dem Sparladen etwas weiter unten im Ort half, ich sagte über das Telefon an was ich brauchte und es wurde mir dann nach Feierabend gebracht. Lukas* rief selten an. dann hatte ich einen merkwürdigen Traum und als er nach vier Wochen das erste Mal wieder da war sagte ich ihm der mehr oder weniger herumdruckste auf den Kopf zu das, ich das Gefühl habe da sei eine andere im Spiel, eine in Berlin.

Überrascht, gab er es zu, es ging auch schon eine ganze Weile so, schon vor unserem gemeinsamen Urlaub, er wollte ihn mir nur nicht vermasseln weil ich so darauf gefreut habe.
Wissen Mats* und ...

Ja, antwortete er, Mats* ist sein bester Freund und natürlich wisse dieser Bescheid. Trotz dieser Vorahnung, die jetzt bestätigt wurde, war ich tief verletzt. Ließ mir aber erst nichts anmerken, sondern wollte jetzt, wo er trotzdem da war, die Zeit mit ihm genießen. Er sagte, ich wollte es dir an sich schon früher sagen, eigentlich an dem Wochenende als wir bei Henning waren, den Sonntag bevor ich wieder zurückfuhr, aber dann kam dein Unfall dazwischen.

Wir wollten Freunde bleiben. Mit Tränen in den Augen ließ ich ihn am nächsten Tag wieder zurückfahren. Kreuzunglücklich war ich und dann die Gedanken, die dann fieserweise kreisen, die dich fragen warum passiert das mir, was hat sie was ich nicht habe, was habe ich falsch gemacht usw. jeder der Liebeskummer hat, kennt diese Situation. bei mir wurde es krass, ich hatte keinen Hunger mehr. Ich ernährte mich nur noch von Orangensaft.

Hatte ich im Elsass zu meinen 65 kg durch die ausgezeichnete Küche dort etwa 8 kg zugelegt. Baute ich das vollständig ab. Mittlerweise arbeitete ich auch wieder. Trank trotzdem weiter Orangensaft und sonst nichts. ich war aber fit, sehr fit nur traurig wenn keiner hinsah. Mats* hatte mich kurz danach angerufen und gemeint es sei gut, das ich es jetzt wisse, er habe ihm, Lukas* gesagt das es kein faires Spiel sei wenn er mir keinen reinen Wein einschenke. Dafür sei ich zu schade, zumal auch zwischen ihm und mir ein sehr freundschaftliches Verhältnis bestand.

Mats* der inzwischen den eigenen Betrieb übernommen hatte, kam mal wieder nach Göttingen, besuchte mich, lud mich zu einer Pizza ein, auch um mich wieder auf andere Gedanken zu bringen. Die Pizza stand auf den Tisch, ich nahm die erste Gabel voll, entschuldigte mich und raste auf Toilette. Gab es dort wieder von mir. Alles was ich an fester Nahrung zu mir nahm, erreichte kurz meinen Magen und wollte dann den gleichen weg wieder zurück nehmen wie es dorthinein gekommen war.

Eine Standpauke folgte. Mats*  schüttelte mich. Sagte, lass dich nicht so hängen. Glaub mir Christa, das ist kein Mann wert. Iss wieder was, bitte. Zu diesem Zeitpunkt war ich auf 43 Kg runter. Ich ging wieder mehr aus. Konzerte in der Göttinger Stadthalle, in Hannover. Mein Lesestil hatte sich verändert. Mats* hatte schon am Anfang unserer Freundschaft da einen großen Einfluss drauf gehabt. Ablenkung.

Nur fühlen wie eine begehrenswerte Frau tat ich mich nicht. Zu dem Zeitpunkt war ich 25. Ich hasste Berlin, wollte da nie wieder hin. Alles Überreaktionen, aus heutiger Sicht betrachtet. Dieser eine Abend der dann alles veränderte. Das Telefon klingelte. Alexander* war dran. Hey wie kommt es das Du dich an mich erinnerst? seine Frau war mit den beiden Kindern für ein paar Tage verreist und er war allein, wir redeten, lachten.

Alexander*  war, wie Mats jemand der auch mal ein Arbeitskollege war, bevor er den elterlichen Betrieb übernahm. Zwischen uns hat es immer gefunkt, aber da er zu jener Zeit schon verlobt war, und ich den Codex hatte, grundsätzlich nichts mit Männern die in Beziehungen steckten anzufangen, hatten wir lediglich geflirtet. Auch mit seiner damaligen Verlobten, als wir noch Kollegen waren hatte ich genau, wie zu Conny*, Mats* Frau ein gutes freundschaftliches Verhältnis. Trotzdem hatte sie, Nadine* mir gegenüber eifersüchtige Gefühle, sie spürte es regelrecht, diese Funken die zwischen ihm und mir knisterten.

Alexander* und Nadine*  hatten, als beide noch in Göttingen wohnten ein riesengroßes Aquarium, als Raumteiler. Wir waren viel gemeinsam unterwegs gewesen, Feten zusammengefeiert, mit Matthias, Hans und Angela, Wilfried, Harald und Monika, Monika und Michael, Stefan, Eva, Kerstin, Gisela, Rolf und Saskia*, Mats*, wenn er mal da war.

Dann hatten Nadine* und Alexander* geheiratet und sind ins Hessische zurückgegangen. Auf dem Polterabend in einer großen Scheune haben wir noch zusammen gefeiert. Danach haben wir uns nur noch ganz selten gesehen. Und jetzt dieser Anruf. Lust zu mir zu kommen, fragte er.

Ich ging davon aus das er in Göttingen sei und sagte daher, warum nicht. Alexander* zu treffen, reden wie in vergangen Zeiten, lachen, Spaß haben und das andere abhaken. Ja, das war eine schöne Idee. Es war so ca 21:30 Uhr. Ich sagte also zu. Fragte noch: Wo bist du denn in Göttingen? Ich bin nicht in Göttingen, sagte er, ich bin zu Hause, das Bett ist vorgewärmt, der Champagner kalt gestellt. Das Taxi wird in wenigen Minuten vor deiner Tür stehen, ich zahl die Fahrt und besorg dir auch die Fahrkarte für morgen früh zurück. Kurz überlegte ich. Wollte ich das so?

Alexander* spürte mein Zögern. Sagte, wir wollten es doch an sich immer, es hat immer zwischen uns gestanden, diese Lust aufeinander, lass es uns jetzt einfach tun. Ich verspreche dir auch es wird nur dieses eine Mal sein. Unten hupte es, ich schnappte mir ein paar Sachen legte auf und saß nur wenige Minuten später im Taxi. Kurz vor Mitternacht war ich vor Ort. Alexander* entlöhnte den Taxifahrer und zog mich hinter sich her.

Mmhhmmm kalter Champagner, das dicke flauschige Federbett, und wir, die ohne weitere Worte einfach übereinander herfielen. Es war eine heiße Nacht, wir waren so hungrig nacheinander, und so vertraut, auch wenn wir uns zwei Jahre nicht gesehen hatten. Am Morgen brachte er mich rechtzeitig zum Zug, denn um 9:00Uhr musste ich an meinem Arbeitsplatz sitzen. Ein letzter Kuss. Wir sahen uns an und wussten, es war wirklich diese einmalige Sache.

Es konnte und durfte nicht wieder geschehen. Aber es war gut, das ich es zugelassen hatte. Im Zug sitzend spürte ich, das es sogar sehr gut war, das ich über meinen Schatten gesprungen war. Es hatte mir mein verlorenes Selbstwertgefühl wiedergegeben. Ich fühlte mich wieder begehrenswert, heiß. Ich war wieder angekommen im Leben. Und deswegen sage ich: Danke Alexander!

 

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